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Die Gegend hier, ist ganz fantastisch und es ist Sommer. So richtig mit Sonne und warm und so. So heisst, dass ich auf der Laufstrecke fast eingegangen wäre. Aber ich will nicht vorgreifen, alles der Reihe nach.

Rad einchecken war am Vortag. Komische Wechselzone. Ein Stuhl! Und das Rad wird mit dem Hinterrad nach oben auf gehangen. Es darf außer dem Rad noch nichts in der Wechselzone deponiert werden, Helm, Schuhe, Radflaschen usw., alles wieder mitnehmen.

Nächster Morgen, Wecker 3.30h, Aufstehen, fertig machen, Kleinigkeit essen und mit dem ganzen Kram im Dunkeln zur Wechselzone. Etwa 15-20min Fußmarsch. Vor der Wechselzone stehen Reiner und ich erst mal in einer ellenlangen Schlange. Es geht nur ganz langsam voran. So kommen wir niemals pünktlich zum Schwimmstart. Egal, wir sind ja noch lange nicht die Letzten in der Schlange. Endlich gibt der Oberkamprichter die Anweisung, alle ohne Personalien-Check in die Wechselzone zu lassen. Wechselzone einrichten, Neo anziehen und Reiner und ich gehen zum Schwimmstart. Denkste, wieder stehen und warten, denn der Bereich zwischen Wechselzone und Wasser ist viel zu klein für 990 Starter. 5.50h geht’s dann endlich weiter. Schwimmstart der Frauen. Wahnsinnsstimmung, so früh am Morgen. Dann 6.00 Uhr unser Schwimmstart. Wir rennen aus der Wechselzone im Dunkeln über den Strand ins Wasser und auf geht‘s zur ersten Boje. Da ist der Kanal so eng, dass es erst mal richtig Prügel und die ersten Panikattacken gibt. Puls wieder runter kommen lassen und weiter geht’s. Dann während dem Schwimmen wird es so langsam hell. Schwimmen läuft gut.

Ich wechsele mit einem guten Gefühl aufs Rad, das gute Gefühl ist aber sehr vergänglich, denn schon kommt der erste steile Anstieg. Da stehen dann auch unsere Supporter, Petra, Marco und Andi. Tut gut die zu sehen. Raus aus der Stadt. Immer nur hoch und danach nochmal hoch. Oben werden wir mit einem fantastischen Sonnenaufgang über den Bergen und dem See belohnt. Dann die erste Abfahrt. Mit hoher Geschwindigkeit geht’s runter ins Tal und auf der anderen Seeseite dann wellig zurück nach Embrun. Dort irgendwo werden dann wieder unsere 3 Supporter stehen. Da sind sie dann auch schon, hätte sie beinahe verpasst. Die ersten 40km sind geschafft. Mehr oder weniger leicht wellig geht’s jetzt am Hang entlang durchs Tal der Durance zur nächsten Verpflegungsstelle. Ich bin zu schnell und vor Petra, Marco und Andi dort. Schade, ich hätte mich vor dem Izoard nochmal gerne von den Dreien anfeuern lassen. Irgendwann geht’s dann rechts aus dem Tal raus Richtung Izoard. Ich sag Dir, da geht’s so steil hoch, der Hammer. Dann kurz vorm Pass geht’s erst noch mal ein Stück nach unten und dann erst richtig hoch. Oben Verpflegung aufnehmen, Jacke anziehen und dann im Sturzflug nach unten. Kleiner Blick auf den Tacho. Oje, über 80. Egal, weiter, das hab ich ja auf Gran Canaria geübt. Hier macht sich sowieso Gran Canaria bezahlt. Ohne das Camp im März wäre dieser Wettkampf für mich nicht denkbar. In Briancon geht’s dann zurück in Richtung Embrun. Allerdings nicht ohne einige Rampen mitzunehmen. Die haben bis zu 20% Steigung und sind so 2km lang. Ich sag Dir, der Izoard hat weh getan, aber die Rampen sind die Hölle. An der härtesten Rampe stehen dann auch wieder unsere 3 Supporter. Andi sagt zu mir „Das sieht ja richtig locker aus“, und ich springe ihm fast ins Gesicht. Locker ist was ganz anderes und hat nichts mit Embrunman zu tun. Aber er will mich ja auch nur aufbauen, als ehemaliger Embrunman-Finisher weiß er genau, was ich im Moment durchmache. Irgendwann ist dann Embrun zu sehen. Bei km 180 fahren wir dann über eine Metallbrücke mit Holzschwellen als Fahrbahn in die Stadt, aber nur, um oben wieder raus geleitet zu werden. Oberhalb der Stadt kommt noch mal ein Hammerberg. Der ist dazu da, die 188km und 3900 hm voll zu machen. Die schenken Dir hier nichts. Ganz im Gegenteil, alles ist so hart wie es nur geht. Dann Abfahrt auf Schlagloch- und Rollsplittstrecke runter in die Wechselzone.

Puh, Radfahren geschafft. Umziehen und raus auf die Laufstrecke. Die Hitze und der Wind trocknen einen schon nach kurzer Zeit aus. Nach dem kalten Sommer zuhause laugt mich das hier total aus. Schon bald weiß ich, wie sich eine Rosine fühlen muss. Aber wie schon gesagt, hier soll nichts einfach und angenehm sein, sondern hart und schmerzvoll. Irgendwie bekomme ich die Laufstrecke mit ihren einigen hundert Höhenmetern (ich hatte noch keinen Bock meine Laufuhr auszuwerten, alleine das spricht schon Bände) hinter mich. Ich weiß immer so ungefähr wo Petra, Marco und Andi stehen. Das ist dann in dieser Hölle wie ein kleines Stückchen Himmel. Irgendwann geht Marco dann aufs MTB und fährt die Strecke ab, um uns häufiger anfeuern zu können. Wie Andi weiß auch er als Finisher, wie wir uns fühlen. Kurz vor meinem Zieleinlauf begegnet mir dann noch Reiner. Ich freue mich wahnsinnig, ihn zu sehen. Nach 14.27 Stunden ist es dann geschafft. Ich bin Embrunman. Ich will nur noch zurück auf den Campingplatz zu unserem Campingbus. Sicherheit. Noch eine SMS mit dem Ergebnis und einem dicken Dankeschön an Marc, ohne sein Coaching wäre das hier nicht machbar gewesen.

Dann sitze ich noch einige Zeit vor dem Bus und genieße es geschafft zu haben. Es ist immer noch schön warm, aber jetzt kann ich das genießen. Am nächsten Morgen hab ich dann erfahren, dass ich Altersklassendritter geworden bin. Bei dem Wettkampf und dem Starterfeld ist das einfach nur geil.

Jetzt noch ein paar Tage Urlaub in der provenzalischen Sonne, Freitag noch eine Bergwanderung mit Petra, Andi, Marco und Max, und am Wochenende geht’s dann wieder heim.

 



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