Geschrieben von: Claudi
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24. August 2011
Erlebnisbericht von der Inferno-Team-Trophy und Claudis Emotionen---ungekürzt
INFERNO, wie das schon klingt. Und heute weiß ich auch ansatzweise, was es körperlich bedeutet. Mit Tine und Marc haben wir Ausnahmesportler in unserem Verein, die diesen Höllenritt mehrfach gewinnen konnten. Ich kann es nicht oft genug sagen: Wahnsinn und allerhöchsten Respekt!!
Bevor ich diese Herausforderung selbst annehme, wollte ich mir die Strecken ansehen und plante schon länger in der Inferno-Woche einen Aufenthalt in Lauterbrunnen. Als Engel dann auf den wirklich allerletzten Drücker den Rest für eine Staffel zusammen bekam, war klar: meine Besichtigung der Racebike-Strecke würde im Rahmen des Inferno stattfinden, klasse
Auf dem Hinweg erst mal Zofingen angeguckt: supergeile Strecke. Berge zwar, aber auch Abschnitte die rollen. Laufstrecke zu 70 % auf Waldboden, auch bergig, aber laufbar und dank Marcs Vorbereitung zu schaffen….hoffe ich
Ankunft in Lauterbrunnen: beeindruckend, wie die Felswände steil in den Himmel ragen. Hostel: Gäste aus aller Welt, sehr herzliche Gastgeber, Garten mit Blick auf Jungfrau und ein Mehrbettzimmer mit relativ schnarchfreier Belegung. Ein kurzer Gang durch den Ort mit Blick auf die Speisekarten der Restaurants: sprengt jegliches Budget. Supermarkt: gut, das ich einen kleinen Vorrat mitgebracht habe. Die Preise mit deutschem Einkommen und dem Kurs des Euros zu der Zeit, waren doch ernüchternd: „Willkommen in der Schweiz“ (Kommentar eines Freundes aus Basel, als ich mit ihm dort durch den Supermarkt lief und mir echt übel wurdeJ)
Mittwochs stand dann erst mal MTB-Streckenbesichtigung mit einer kleinen Gruppe unter Marcs Führung auf dem Programm. Ab Grindelwald schraubt man sich Meter für Meter auf die Kleine Scheidegg, natürlich landschaftlich grandios. Ein kleines Stück musste ich schieben, was leider nicht weniger anstrengend war. Dann die Abfahrt: feiner Schotter, Trail mit Wurzeln, Stufen und steile Kehren fordern von Gelegenheits-MTBlern und Angstschissern volle Konzentration. Aber grandios…als Trainingsfahrt. Mir schwant da schon, dass dies ein ganz besonderer Wettkampf ist.
Donnerstags dann geplanter Berglauf aufs Schilthorn, zurück mit der Gondel. Gott sei Dank hatte Zimmerkollege Jaques mal gefragt was das kostet: one way 55 CHF…"Willkommen in der Schweiz"
So lief ich einfach nur bis zum Almendubel, was auch schon schlappe 1000 HM bedeutet und ging (wollte meine Knie schonen) dann wieder talwärts. Unterwegs noch schnell die Startunterlagen in Mürren abgeholt. Eine 5 Stunden Tour wurde es letztendlich und es war traumhaft: dieses Panorama, diese Ruhe. Gott sei Dank hatte ich Camelback und reichlich Futter dabei, bei der Hitze eine gute Entscheidung!
Freitags dann Beine hoch, nur kurz bis Stechelberg Wechselzone angucken gerollt, Marc noch getroffen und abends ab nach Thun, um meinen „Engeln“ noch die Startunterlagen zu überreichen. Kurz nach 21 Uhr flogen sie dann ein: Engel, Torsten, Sabine und Esad. Schnelles Briefing und zurück nach Lauterbrunnen, schnell noch Pasta eingeschoben und ab ins Bett, spät wars. Aber ich streß mich nicht mehr. Pennen tut man in der Vorwettkampfnacht eh nix und so war es auch diesmal: um drei hatte die Rumwälzerei ein Ende, raus, Frühstück, Klamotten packen und mit dem Rad zum Bustransfer nach Stechelberg…denkste Puppe…Dejavue Embrun 2008: es schüttet wie aus Eimern. Häääh??? Das war nicht gemeldet und wetter.com behauptete auch um 4 Uhr immer noch: leicht bewölkt
Also einfach ins Auto und direkt nach Thun ins Athletengewusel zu meinen Staffel-Engeln. Dort war es trocken aber stürmte und der See sah in meinen „Angstdisziplinschwimmenaugen“ sehr bedrohlich aus. Engels Kommentar wohl beim ersten Blick: "Geil"….Auf einmal Durchsage: alle Schwimmer aufs Schiff. Nächstes Häääh??? „Das Schwimmen wird aus Sicherheitsgründen abgesagt, Windstärke 4. Die Radler bitte die 8 km nach Oberhofen rollen, alle anderen aufs Schiff“
Wir waren wirklich wie erstarrt, das war doch eine Ironie des Schicksals: der, der alles daran gesetzt hat, dass diese Staffel überhaupt zustande kommt, wird seinen Traumes beraubt…er hat uns allen entsetzlich leid getan und er war auch den ganzen Tag nicht mehr aufzumuntern. Also ich mit dem Rad rüber, Engel mit dem Schiff, Transponder übergeben und dann wurden Singles und Teams in zwei Starts auf die Strecke geschickt.
Ei super, da gings dann gleich zur Sache und in den ersten Anstieg und ruck zuck war Claudi fast ganz hinten. Die paar die noch hinter mir waren, rasten dann kurz vor Interlaken schön aufgereiht in Gruppen an mir vorbei. War ich wirklich so schlecht? Ok, ich bin nicht voll gefahren, hatte ein paar anstrengende Wochen und Tage hinter mir aber das…Frust! Aber kurz vor Meiringen sah ich wieder ein paar Athleten vor mir und sammelte sie locker ein, geil. Reichlich Verpflegung eingesackt und auf gings in die letzte Bergwertung. 25er Kassette verpflichtet zu treten, damit man nicht umfällt. Und so schraubte ich mich hier Kehre für Kehre nach oben, überholte und überholte bis kurz vorm Gipfel. Zwischenzeitlich bin ich noch an einem 90 g!!! Päckchen-Gel fast erstickt
Dann kommen ein paar Rampen die ich sogar auf dem MTB verflucht hätte und die ersten schoben ihre Räder. Ich hab mich selbst angefeuert und mental in den A…. getreten: Nein, und du trittst und du schaffst das!
Auf der Grossen Scheidegg konnte ich mir dann auf die Schulter klopfen und von da an auf die Abfahrt und Wechselzone MTB vorbereiten. Aber auch die Abfahrt Rennrad erfordert Konzentration und rollt nicht wirklich. Zu kurz sind die Stücke zwischen den Kehren. Nach 4:35 h ist es geschafft: ich übergebe an Torsten, der schon ganz hibbelig auf seinen Part wartet. Schuhe aus, ein paar Meter laufen: unglaublich, meine Beine sind locker….ein gutes Zeichen für Zofingen
Jetzt haben wir noch reichlich Zeit um mit Engels Bus nach Stechelberg zu fahren. Dort angekommen macht Esad sich fertig für den abschließenden Lauf. Der Arme musste den ganzen Tag in der Hitze schmoren, rum stehen und darf dann mit dicken Beinen einen 17 km Berglauf machen…herzlichen Glückwunsch
Aber keine Klagen von seiner Seite, Respekt! Nach 2:07 kommt Torsten und Esad darf endlich laufen. Torsten hat seinen Part super gemacht: Berg rauf alles gegeben und bei der Abfahrt nicht gebremst, er ist eben kein Gelegenheits-MTBler
Dann der nächste Transfer: mit der Gondel nach Mürren zum Team-Ziel. Bei der Hitze war es ein saunieren in luftiger Höhe, ohne die Möglichkeit, rauszugehen wenns zu heiß wird. In Mürren sind dann auch viele Zuschauer, ständig kommen jetzt Teams ins Ziel und Sinlges passieren Mürren um den härtesten Teil der Strecke in Angriff zu nehmen. Einige sehen gut aus, einige haben schon vollen Tunnelblick. In dieser Zeit ist Coach Marc schon im Ziel. Nochmal: Wahnsinn!!
Esad hatte grobe Ansage gegeben wie lang er braucht und fast auf die Sekunde sehen wir das gelbe Trikot: schnell sammeln, Sabine macht die Kamera startklar, wir nehmen uns an die Hände und laufen gemeinsam ins Ziel….hach, ist das ein schönes Gefühl!!!! Ich habe noch nie in einer Staffel mitgemacht, aber ich kann nur sagen: tut es, es ist saugeil!!! Denn hier ist jede Disziplin eine Herausforderung….
….womit ich zu meinem Fazit komme:
Es waren 147 Teams am Start, wir fanden uns am Ende auf Platz 132 wieder. Enttäuschend? NEIN!!! Denn hier hat jeder sein bestes gegeben und wenn Engel seine Leistung hätte zeigen dürfen, wären wir weiter vorne gelandet!
In jedem Team ist eine Frau, die meist „schwimmen darf“….heute weiß ich warum: die Rennradstrecke ist im Verhältnis lang und hart…“Männersache“
…umso stolzer bin ich, dass ich es dennoch geschafft habe in einer für mich guten Zeit. Torsten und Esad haben sich mit Begeisterung der Herausforderung gestellt, ohne sich wie ich wochenlang mit den dortigen Bedingungen zu beschäftigen. Und Engel hat seine Enttäuschung uns zuliebe tapfer ertragen.
Ich selbst werde in den nächsten Wochen in mich gehen und meine Entscheidung, dort einmal als Single zu starten, gründlich überdenken. Dieser Wettkampf ist ein langer einsamer Kampf gegen Berge und sich selbst. Letzteres kann ich gut, dass hab ich den letzten anderthalb Jahren gelernt, ich muß mir ganz sicher nichts mehr beweisen
Mir fehlte beim Kennenlernen der Strecken einzig und allein Geschwindigkeit, das Gefühl des Rollens beim Rad fahren und die Leichtigkeit beim Laufen. Und ja: ich liebe es, wenn Zuschauer einen pushen. Momentan habe ich verschiedene andere Ideen und mal sehen was Zofingen bringt. Aber eins ist sicher: ich brauche das Training und die Wettkämpfe wie die Luft zum atmen, ich kann und muß keine teuren Reisen machen in aller Herren Länder, mir reicht ein schöner Ort mit netten Menschen um glücklich zu sein. Das habe ich schon auf Malle im Frühjahr gemerkt.
Dieses Fazit kann ich aus der „kleinen Reise auf der Suche nach mir Selbst“ ziehen.
P.S.:Danke Engel, dass du mir mit deinem Einsatz den Start ermöglicht hast!!