Geschrieben von: Claudia Fusaro und Nicole Thees
|
05. Juli 2008
- Erster Erfahrungsbericht von Claudia & Nicole als Kampfrichter -
Triathlon haben wir bisher lediglich als Teilnehmer oder Zuschauer erlebt, aber es gibt noch eine dritte Variante, an einem Wettkampf teilzunehmen, als (gar ungeliebter) Wettkampfrichter.
Claudia hatte bereits Ende letzten Jahres Andy Grub, der schon seit Jahren unseren Verein als Wettkampfrichter beim der DTU vertritt, zusammen mit Karl Emmrich, der nun als Kampfrichter ausscheidet, zugesagt, die Kampfrichterausbildung zu machen. Denn jeder Verein ist verpflichtet, in Abhängigkeit der Startpasszahl eine bestimmte Anzahl Kampfrichter dem RTV /DTU zur Verfügung zu stellen, ansonsten zahlt man extra! Und da ja erfreulicherweise unsere Startpasszahl derzeit immer weiter steigt J reicht ein Ersatz für Karls Ausscheiden allein nicht. Und so hat auch Nicole sich Anfang Januar sozusagen in einer fröhlichen Weinlaune dazu „breitschlagen lassen“, die Ausbildung mitzumachen.
Anfang März wurden wir dann von Freitags abends bis Sonntagmittags im Luxemburger Institut National des Sports eingeschlossen und durften die DTV Sportordnung kennen und mögen lernen, um auch noch sonntags darüber geprüft zu werden.
Seitdem gehören wir also dazu: Ausstaffiert mit neongelben Westen, gelber, roter und schwarzer Karte und einer Fox (laut Paul Milz, unserem Obmann: die „beste Trillerpfeife wo gibt“ ) sind wir jetzt im Dienste des RTV unterwegs, um über Recht und Ordnung zu wachen.
Zum ersten Show-down kam es dann am 8. Juni beim OIE-Triathlon in Baumholder.
Zunächst, wer Leute mit Karten quält, muss auch gequält werden: also hieß es, Start um 5:30 in Trier für Andy und uns Rookies. Angekommen haben wir zunächst die Radstrecke inspiziert, uns dann mit Kaffee auf Betriebstemperatur gebracht, die Wechselzone begutachtet und dann ging es los.
Check-in: Helmkontrolle - es gibt da doch immer noch Teilnehmer, die über Helmkontrollen verblüfft sind - dabei reden wir hier nicht von dem 50 Jährigen, der einfach aus Spaß mal bei sowas mit macht und mit dem Trekkingrad kommt ;-), sondern Mister Aerohelm J und Co. Oder der Senior, der gefühlt seinen halben Kleiderschrank am Wechselplatz deponiert. Aber es lief alles reibungslos, frei nach dem Motto, wie es in den Wald hinein schallt … so kam man mit dem einen sogar noch nett ins Gespräch und hat ein bisschen - natürlich im zulässigen Rahmen der Sportordnung ;-) - geholfen und mit der anderen (rotlippigen Athletin) durfte man noch ein wenig über den Wechselplatz diskutieren…
…oder mit dem Sprecher des ausrichtenden Vereins, der DLRG, der bei der Wettkampfbesprechung verkündet, dass man die Startnummer beim Radfahren vorne tragen soll. Hä? Da durften wir dann auch gleich die eher logische und DTU-gerechte Ausrichtung nach hinten fordern, was auch sofort korrigiert wurde.
In Sachen Kenntnis der Sportordnung mangelte es vielleicht beim Veranstalter, aber die DLRG bewies Routine was das nasse Element betrifft und bot eine perfekte Schwimmstrecke. So verlief das Schwimmen reibungslos.
Andy und Nicole positionierten sich dann in der Wechselzone und Claudia beobachtete den rot-weißen Balken und was sich davor und dahinter so an Dramen abspielt (ein Schuh vergessen, Schuhe zwar am Rad aber kein Plan wie im Stehen (!) reinschlüpfen etc.). Der Athlet der noch in Gummipelle gehüllt das Rad aus der Wechselzone schob entpuppte sich aber kurz vor Eingreifen als Staffelteilnehmer, dessen Radfahrer mit Krücken (!) auf die Übergabe wartete.
Das Radfahren verlief, da keine Windschattenkontrolle vorgesehen war, sozusagen ohne rechtlichen Beistand. So blieb uns nichts anderes übrig, als im Nachhinein verständnisvoll den Klagen mancher über die immer existenten Lutscher anzuhören L und zu beschwichtigen.
Etwas chaotisch wurde es, als die Leute von der Radstrecke zurück kamen: da viele Staffeln teilnahmen, für die jedoch keine Radaufhängungen in der Wechselzone vorhanden waren, wurden die Räder wild in die Gegend geworfen, um dann schnellstmöglich den Transponder an den Läufer weiter zu reichen. Hier hatten wir dann ein wenig für Ordnung zu sorgen und den einen oder anderen zur Fairness aufzufordern.
Bei einer Gruppe mussten wir allerdings als Schlichter eingreifen. Laut eines Athleten hatte sich ein Staffelradfahrer Windschatten in Person eines Kumpels auf einen Straßenabschnitt bestellt, was dieser natürlich vehement bestritt .Einer der Organisatoren, ein erfahrener Polizist, konnte sogar durch dessen coole Brille sehen, dass da einer lügt, dass sich die Balken biegen. Da wir als Kampfrichter aber nur das ahnden können was wir auch sehen, galt hier: im Zweifel für den Angeklagten.
Der Veranstalter wird sicher auch den einen oder anderen Verbesserungsvorschlag dankend annehmen. Angefangen beim Hinweis auf die DTU-Sportordnung bereits in der Ausschreibung (u. a. Windschattenverbot), Zeitlimits (alles hat ein Ende), großzügige Wechselzone mit Radplatz für alle bis hin zur Beratung in Sachen Position der Tribüne.
Insgesamt lässt sich sagen, es war ein total schöner Tag! Es war interessant, auch mal einen Wettkampf aus der organisatorischen Perspektive zu erleben und vor allen Dingen, wie die Teilnehmer auf unsere Arbeit reagiert haben. Eigentlich durch die Bank positiv und wir haben nette Leute kennen gelernt!
Also, hiermit auch die Aufforderung an Euch, wer von Euch Interesse an solch einer spannenden Aufgabe hat - und es muss dabei nicht bei einem kleinen Volkstriathlon bleiben, da mag auch mal eine der richtig großen Veranstaltungen, wenn man mal etwas länger dabei ist, auf der Agenda stehen - der melde sich bitte bei Andreas. Es würde sich gut für unseren Verein innerhalb des RTV machen, wenn wir noch mehr Kampfrichter stellen würden. Zumal da auch unsere Startpasszahl stetig steigt. Dabei ist es nicht primär entscheidend, ihr seht es an Nicole J, ein so erfahrener Triathlet wie Claudia oder Andy zu sein, sondern ihr müsst Begeisterung für diese Sportart haben und Interesse, Euch für die Fairness der Wettkämpfe einsetzen zu wollen!
Also, kommet zu Hauf und meldet Euch J